Kritiken
DIE PROFIS - NEUE SENSATIONEN UND ALTE
GEHEIMNISSE
Teenage Rebel (CD)
1982, als Synthesizer schwer in Mode waren, beschränkten sich
die PROFIS aus Düsseldorf auf die einfachsten Mittel des Rock´n´Roll:
Gitarre, Bass und Schlagzeug. Auf ihrer beim Punk/NDW-Label „Schallmauer“ erschienenen
LP „Neue Sensationen“ verarbeiteten sie Einflüsse aus Beat (THE WHO, KINKS),
Mod (THE JAM), Punk & New Wave (CLASH, POLICE) zu 12 kompakten, eingängigen
Power-Pop-Perlen mit Mitsing-Refrains, ohne aber in ihren Texten in Bierseeligkeit
oder Parolengedresche abzurutschen, obwohl sie an Gesellschaftskritik nicht
sparten. Teils erinnern mich Musik und Sound auch an die (wohlgemerkt 2 Jahre
später erschienene) „Debil“-LP von den ÄRZTEN, was sicherlich nicht
der uncharmanteste Vergleich ist. Als Bonus enthält die CD-Neuauflage noch
12 (+1) weitere Sampler-, Demo- und Livetitel, darunter auch von der Vorgängerband
STAIRS. Dazu kommt noch ein (für das Teenage Rebel-Label obligatorisch)
umfangreiches Booklet mit allen Texten der LP, vielen Fotos, Flyern und Discographie.
Das die PROFIS damals, trotz zahlreicher Rundfunkeinsätzen beim WDR, ein
Geheimtipp blieben, könnte wohl daran gelegen haben, daß ihre LP
eine der letzten Veröffentlichungen des „Schallmauer“-Labels war, das bald
darauf die Pforten schloss. Möglicherweise aber auch an der, hauptsächlich
von der Plattenindustrie verschuldeten, Übersättigung an NDW-Veröffentlichungen.
Um so schöner, daß dieser auch heute noch frisch klingende Klassiker
wieder erhältlich ist. (11/2008)
GEIER STURZFLUG - HEISSE ZEITEN
Ariola/SonyBMG (CD)
Das traditionsreiche Ariola-Label feiert in diesem Jahr ihr 50jähriges
Bestehen. Jubiläum und Neuanfang zugleich, denn erst vor wenigen Wochen
verkündete Inhaber Bertelsmann den Ausstieg aus dem Labelgeschäft
und verkaufte seine Anteile endgültig an Sony, nachdem man die Musiksparte
erst vor ein paar Jahren mit den Japanern fusionierte. Im Zuge des Jubiläums
erscheinen nun ausgewählte Ariola-Bestseller neu und teils erstmalig auf
CD. Darunter auch das zweite Album von GEIER STURZFLUG. Die eigentlich aus der
Sponti-Szene stammende Bochumer Band lieferte 1983 mit „Bruttosozialprodukt“
den ironischen Soundtrack zur von Helmut Kohl verkündeten „geistig-moralischen
Wende“, auch wenn die Ironie wohl nicht von jedem Plattenkäufer wahrgenommen
wurde. Die Single katapultierte die Band auf Platz 1 der Single-Hitparade, das
nun neu aufgelegte Album „Heisse Zeiten“ erreichte Platz 15 in den Albumcharts.
Wirkliche Zugeständnisse an das „Massenpublikum“ machten GEIER STURZFLUG
aber kaum. Ihre Mischung aus Pop, Reggae und Ska klingt hier zwar etwas geglätteter
als auf ihrem 1981er Debüt „Runtergekommen“, das auf dem Münchener
Alternativ-Label „Trikont“ erschien, die Texte verloren aber keineswegs an Witz
und Bissigkeit. Und auch wenn viele ihrer Texte den damaligen Zeitgeist persiflierten,
haben Songs wie „Karibische Gefühle“, „Korken auf dem Wasser“ oder „Halligalli“
bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.
Sehr ausführlich fielen die Liner-Notes im Booklet aus. Neben Song-für-Song
Analysen, gibt es auch einiges über Zeitgeschichte und Zeitgeist der frühen
80er Jahre zu lesen. Darüberhinaus wurden dem Album 4 Bonustitel drangehängt:
Die „Bruttosozialprodukt“-B-Seite „Früher oder später“, „Küss
mich, Good-Bye“ – die B-Seite der 1984er Single „Pure Lust am Leben“, die Singleversion
von „Alle Amis singen olala“ mit der „Mikrophonprobe“ von Ronald Reagan (die
für die Single aber von einem Imitator nachgesprochen wurde) und „Zurück
in die Nacht“ – die A-Seite von Geier Sturzflug-Sänger Friedel Geratschs
Solo-Single aus dem Jahr 1986.
Dennoch sollte man das LP-Exemplar nicht zu Gunsten der CD ausmustern, denn
von „Besuchen Sie Europa“ wurde statt der LP-Fassung die schon zigfach auf CD
veröffentlichte Single-Version verwendet! Ebenfalls wurden die der LP beiliegenden
Songtexte und Fotos weggelassen. Die beiden von EXTRABREIT-Sänger Kai Havaii
gezeichneten Comics sind aber abgedruckt. (11/2008)
MARKUS - ALLES KOMMT WIE ES KOMMT
Palm/SonyBMG (CD)
MARKUS´ Debüt-Album „Kugelblitze und Raketen“ von 1982
gehört zweifelsfrei zu den großen Klassikern der (Spaß-)NDW.
Nach dem guten, aber wenig beachteten Nachfolgealbum „Es könnt romantisch
sein“ gelang ihm mit dem Projekt T.X.T. Mitte der 80er ein europaweiter Hit
(„Girl´s Got A Brand New Toy“). Danach wechselte Markus ins Schlager-Fach
und veröffentlichte zwischen 1988 und 2001 Platten wie „Irgendwann, irgendwo“,
„Die Macht der kleinen Hände“ oder „Kopfüber“, die allesamt nicht
mein Bier waren. Auf seiner 2006 veröffentlichten Download-EP „Schmerz
vergeht“ wandte er sich wieder dem Pop zu, insofern habe ich mir für das
neue Album einiges erhofft. Dabei hätte es mir eine Warnung sein sollen,
daß er sich unter die Fittiche des WOLFGANG PETRY-Produzenten Michael
Buschjan begab. Songs wie „Ob du willst oder nicht“, „Du machst mich irgendwann
verrückt“, „Komm und geh mir aus dem Sinn“ oder „Nichts ist vorbei“ könnten
auch von Buschjans einstigem Schützling sein. Der Rest ist Nachschub für
die ARD-Schlagerwellen bei dem lediglich der ruhigere Titel „Ich zieh´
den alten Mantel wieder an“ für mich angenehm heraussticht. Zu einer der
Platte angemessenen Besprechung fehlt mir der Bezug zu dieser Musik. (10/2008)
ARTLESS - TANZPARTY DEUTSCHLAND
Teenage Rebel Rec. (CD)
ARTLESS waren eine Punkrock-Band aus
dem Duisburger Raum, die 1981 die mittlerweile äußerst seltene EP
„Mein Bruder is´en Popper“ veröffentlichten und in dem ARD-Dokumentarfilm
„No Future“ zu sehen und zu hören waren. Ein Jahr zuvor nahmen sie die
„Tanzparty Deutschland“-Cassette auf, die, nachdem es 1990 bereits eine kleine
LP-Auflage gab, nun als CD wiederveröffentlicht wurde.
ARTLESS spielten rotzigen, pogotauglichen aber auch melodiösen, mit gelegentlichen
Gitarrensoli gewürzten Punkrock, der ein bisschen an MALE erinnert. Doch
wo die Düsseldorfer Kollegen mit knapp gehaltenen Schlagzeilen-artigen
Texten arbeiteten, setzten sich ARTLESS unverblümt mit ihrer Umwelt auseinander.
Aus dem Alltag gegriffene Texte über die Stadt, die kaum Geld für
Jugendheime und Kindergärten hat, dafür aber ein laserbeleuchtes Rathaus
(„Großstadt“), oder über den dekadenten Bruder, der der ganze Stolz
der Eltern ist („Mein Bruder is´en Popper“). In „Punk ´80“ machten
sie sich Gedanken über die Kommerzialisierung und Austauschbarkeit des
Punk. Ein Song der heutzutage, wo die Wertigkeit von Musik zunehmend auf MP3
(daten-)reduziert und auf Gigabyte-großen Festplatten endgelagert wird,
fast schon rührend klingt. Sinn für Humor hatten ARTLESS aber auch:
„Du glaubst, ich brauche Heroin/du
glaubst ich brauche Shit/komm her ich hauch dir meine Sucht ins Gesicht“ (aus „Knoblauch“).
Aufgenommen wurden die 12 Songs mit einfachstem Equipment. Alles gut verständlich
und bestmöglichst gemastert, aber audiophilstes Hi-Fi sollte man nicht
erwarten. Als Bonus wurde noch ein Konzertmitschnitt aus Essen vom Juli 1981
draufgepackt. Der ist aber eher schmückendes Beiwerk, da der Sänger
Hank Sinatra kaum zu verstehen ist, was angesichts mehrerer nicht auf der „Tanzparty
Deutschland“-Cassette enthaltener Songs sehr schade ist. Dafür gibt es
aber ein dickes Booklet mit Linernotes, Texten, Fotos und alten Zeitungs-/Fanzineartikeln.
(10/2008)
STUMF IST TRUMPFF
Teenage Rebel Rec. (CD)
Wie der Samplertitel schon vermuten
lässt (nein, ich hab mich nirgends vertippt), ist hier nicht gerade die
Hochkultur deutschen Liedgutes am Werk. Vielmehr ist der Sampler eine Ansammlung
von gewolltem, teils aber auch unfreiwilligem Stumpfsinn aus rund 20 Jahren
Deutschpunk (der Sampler erschien bereits 1998). Da sollte man nicht nur Sinn
für derben Humor haben, sondern auch sonst relativ schmerzfrei sein um
sich die 34 Songs am Stück reinzuziehen. Manche Sachen fallen dann auch
aus dem Konzept. STUNDE X („Wir wissen was wir wollen“) oder MARIONETZ („So
jung, so stolz und arbeitslos“) wirken hier eher deplaziert. Dieser Sampler
dürfte auch die einzigste Platte sein, auf dem der ÄNI(X)VÄX-Song
„Schock und Drama“ enthalten ist – eine bitterböse Abrechnung mit den Machenschaften
des in der 1. Hälfte der 80er populären Punklabels „Rock-O-Rama“.
Dieser Titel erschien ursprünglich 1984 nur auf Cassette. Ansonsten noch
vertreten: LOKALMATADORE (grandios wie immer), ZZZ HACKER (1 Song aus ihrer
1983er-EP „Kind sieh da nicht hin“), DIE SCHWARZEN SCHAFE, VIRUS 4, SUICIDES,
CONDOM, OHL, SIGI POP (ex-MARIONETZ-Sänger), FEHLGEBURT, PUBLIC TOYS (nur
mit einem vergeigten Intro), ELSE ADMIRE, FLUCHTWEG, SUPERNICHTS und viele andere.
(10/2008)
Nachtrag: Den ÄNI(X)VÄX-Titel "Schock und
Drama" gab es tatsächlich zuvor schon auf Platte. Er erschien zuvor
schon auf der Punk-Sampler-LP "Let´s Have More Fun" in einer
sensationellen Auflage von 300 Exemplaren! Danke an Rüdiger Thomas für
die Info! (11/2008)
NO FUN RECORDDS - HIT ODER NIETE - DIE
SINGLES
Sireena (CD)
Das 1980 gegründete Label „No
Fun“ (hervorgegangen aus dem gleichnamigen Fanzine) machte es sich zur Aufgabe,
die durch die Punkbewegung zu neuem Leben erweckte Hannoveraner Szene überregional
bekannt zu machen. Slogan: "Ohne SCORPIONS, JANE, ELOY in die 80er Jahre!".
Im Mai 1980 wurde ein 2tägiges Festival auf die Beine gestellt, dessen
Erlöse als Startkapital dienten. Das die neue Hannoveraner Szene recht
vielseitig war, deutete nicht nur der von jenem Festival mitgeschnittene LP-Sampler
(„HanNOver Fun“) an, sondern ist nun auch auf der CD „Hit oder Niete“ nachzuhören,
die alle 10 (regulären) Singles aus den Jahren 1980 und 1981 beinhaltet.
Punk, mal mit Pop-Appeal (CRETINS, HANS-A-PLAST), mal ungehobelt (DAILY TERROR
aus Braunschweig) oder irgendwo dazwischen (BÄRCHEN & DIE MILCHBUBIS),
neudeutsch gewelltes (DER MODERNE MAN, MYTHEN IN TÜRTEN und die Bremener
A5) bis hin zu Psychedelic (39 CLOCKS).
Wie im Booklet erwähnt, gibt es von den Aufnahmen keine Studiobänder
mehr. Um die bestmöglichste Klangqualität zu erhalten, wurden die
Songs von gut erhaltenen Vinylexemplaren überspielt und digital nachgebessert.
Von der ein oder anderen der hier vertretenen Singles, die in der Vergangenheit
schon mal auf den Weg auf CD fanden, konnte man das nicht immer behaupten.
Die CD kommt mit einem mehrfach ausklappbaren Booklet, das alle Singlecover
sowie ausführliche Kommentare zu Singles und Label vom „No Fun“-Mitinhaber
Hollow Skai enthält. Darin schreibt er unter anderem, daß die Verkaufzahlen
der Singles entschieden, ob sich LP-Veröffentlichungen der entsprechenden
Bands lohnten (daher „Hit oder Niete“). Vielleicht entscheiden nun die Verkaufzahlen
dieser CD, ob auch mal einige LPs des Labels wiederveröffentlicht werden?
Denn bis auf HANS-A-PLAST und MARIONETZ (letztere katastrophal überspielt)
gibt es bislang keine der „No Fun“-LPs als CD. Dabei wären Neuauflagen
der LPs zumindest von ROTZKOTZ, MYTHEN IN TÜTEN, BÄRCHEN & DIE
MILCHBUBIS und DER MODERNE MAN doch längst überfällig. (09/2008)
FALCO - Symphonic
SonyBMG (CD)
Die „neue“ FALCO-CD, die anlässlich
seines 10. Todestages erschien, basiert auf einem Konzert das FALCO und seine
Band zusammen mit dem Orchester des Wiener Neustädter Konservatoriums im
Jahr 1994 veranstaltete. Da von jenem Konzert allerdings nur ein wenig professioneller
Mischpult-Mitschnitt existiert, entschied sich FALCOs langjähriger Bandleader
Thomas Rabitsch dazu, dieses Konzert nachzuproduzieren. Dafür wurden 9
Songs des Konzertes im Studio neu eingespielt und FALCOs Gesang aus alten Studiotonbändern
hinzugemischt, 3 weitere Songs wurden speziell für diese CD eingespielt
(„Der Kommissar“, „Die Königin von Eschnapur“ und „Europa“). Als Bonus
gibt es 3 weitere Titel plus 1 Reprise die vom 1994er Originalmitschnitt stammen,
da zu diesen Songs („Helden von Heute“, „Junge Römer“ und „Ganz Wien“)
keine Mehrspuraufnahmen mehr existieren, aus denen man FALCOs Gesang hätte
übernehmen können. Ob die Welt nun auf eine orchestrale (Nach-)Bearbeitung
der FALCO-Hits gewartet hat sei mal dahingestellt, besser als ein weiteres „herkömmliches“
Remix- oder Best-Of Album ist dieses aufwändig reproduzierte Album aber
schon, zumal sich die orchestralen Teile nicht aufdringlich in den Vordergrund
drängen und FALCO - wenn auch größtenteils aus der Konserve
- der Mittelpunkt auf "Symphonic" bleibt. (02/2008)
MIA SAN DAGENG! - Punk in München
I - Hits und Schmankerl
MIA SAN DAGENG! - Punk in München II - Raritäten und Spezialitäten
Aggressive Noise/Eversongs (CD)
Die Aufarbeitung der Punk- und New
Wave-Geschichte in Deutschland der letzten Jahre konzentrierte hauptsächlich
auf Düsseldorf, Hamburg und Berlin, weitere Erwähnung fanden dann
auch noch Hannover und Limburg. Aber München? Fehlanzeige! Olli Nauerz
und Katz Seger, Herausgeber des „Kruzefix“-Fanzines und Inhaber des „Aggressive
Noise“-Labels, nahmen die Aufarbeitung der Münchener Szene kurzerhand selbst
in die Hand. Neben zahlreichen Storys in ihrem Fanzine, erzählt von den
damaligen Aktivisten, entstand auch das „Mia san dageng!“-Projekt. Es entstand
ein Dokumentarfilm, der in den vergangenen Monaten in über 25 Städten
in den Programmkinos zu sehen war, und begleitend dazu diese Samplerreihe, die
3 Alben und 1 CD-Maxi umfasst. Auch wenn der Untertitel „Punk in München“
lautet, wird auf den ersten beiden Samplern auch ausgiebig auf die New Wave
bzw. Neue Deutsche Welle eingegangen. So finden sich auf dem ersten Teil neben
PACK (deren Sänger Jörg Evers diese Reihe co-produzierte), MARIONETTES
bzw. MARIONETZ, A + P, ZSD, LUSTFINGER, FKK STRANDWIXER oder den AUSGEBOMBTEN,
um nur mal die geläufigsten Punk-Combos zu nennen, auch FSK, UNITED BALLS,
ZERO ZERO, INTIMSPRAY, IDB, GORILLA AKTIV (mit Tommi Eckart, heute die männliche
Hälfte der 2RAUMWOHNUNG), SIGURD KÄMPFT und ZUSATZZAHL. Selbst die
SPIDER MURPHY GANG „san dageng“ und steuerten den Song „Freizeit ´81“
für dieses Projekt bei. Im 16 Seiten umfassenden Booklet erläutert
Günther Sigl auch nochmal wie es zu dem Song kam, ebenso wie zahlreiche
andere Musiker der hier vertretenen Bands zu Wort kommen. Der zweite Teil geht
noch etwas tiefer in den Untergrund und enthält sehr viel bislang nicht
oder nur auf Cassette veröffentlichtes Material. So bekommt man ein frühes
Demo der UNITED BALLS zu hören, als sie sich noch U-BAHNSCHACHT nannten,
dazu noch rares und unveröffentlichtes von LORENZ LORENZ, SKI UND DER REST,
INTIMSPRAY, V2 SCHNEIDER, COMICS und ZUSATZZAHL (um mal die NDW-relevanten Bands
aufzuzählen). Der dritte Teil der Reihe trägt den Untertitel „Jetzt
erst recht“ und dokumentiert die aktuelle Münchener Szene.(02/2008)
ALBIN RASCH FEAT. NICKERBOCKER - Puppe
(Du bist a moderne Hex´) (Version 2008)
Update Media Group (Download-Maxi)
In den letzten Monaten ist es fast
schon zur Gewohnheit geworden, Singles nur noch als Download-Dateien statt als
CD-Maxi anzubieten. So auch die Comeback-Single von NICKERBOCKER, der mit diesem
Song im Jahr 1982 in seiner österreichischen Heimat einen Top Ten-Hit landete.
Der österreichische DJ ALBIN RASCH bearbeitete den Titel neu und ließ
ihn von NICKERBOCKER noch mal einsingen. Herausgekommen ist dabei eine Disco-Fox
Version die ganz gut ins Ohr geht und dank der Retro-Sounds fast noch mehr nach
80er Jahre klingt als die Originalversion, die übrigens auch auf dieser
Maxi enthalten ist. Daneben gibt es die 2008er-Version noch in englischer Sprache
("Puppe" war eine eingedeutschte Version des JUICE NEWTON Songs "Queen
Of Hearts" von 1981), und als Karaoke-Version zum selber singen. (01/2008)
SHAM 69 - Western Culture
Bad Dog Rec./Coretex (CD)
SHAM 69 sind ja eine der Kultbands
des britischen Punkrocks schlechthin. Zwischen 1978 und 1980 schrieben sie unvergessliche
Genre-Klassiker wie „Angels With Dirty Faces“, „Hurry Up Harry“, „Borstal Breakout“
oder natürlich „If The Kids Are United“. 1988 tauchten sie wieder auf und
veröffentlichten zahlreiche Platten auf denen sie mehr oder weniger das,
was man gemeinhin als „Altherren-Rock“ bezeichnet spielten, so nach dem Motto
„Die Fans sind ja auch älter geworden“. Mit „Western Culture“ legen SHAM
69 nun ein Album vor, mit dem sie wieder an ihre Frühwerke anknüpfen
möchten. Klappt auch gar nicht mal schlecht, wie ich finde, denn mit „No
Apologies“, „Give Me A Minute“, „Hollywood Heroes“, „I Want Glory“ oder dem
Opener „Asbo Sports Day“ sind ihnen viele gute Songs gelungen, die sich schon
beim ersten Hören im Gehör festbeissen. Und mit jedem Durchgang hat
mir die CD besser gefallen. Soweit also die guten Nachrichten. Und nun die schlechte:
Von der Originalbesetzung ist leider nur noch Gitarrist Dave Parsons übriggeblieben.
Richtig verstanden, Mr. SHAM 69 himself, Jimmy Pursey, ist nicht mehr dabei,
was für zahlreiche Fans der Grund sein wird, diese CD zu ignorieren. Denn
der charismatische Jimmy ist nunmal nicht zu ersetzen. Der neue Sänger,
Tim V, der hier einen sehr guten Job hingelegt hat, ist sich dem durchaus bewusst
und versucht auch erst gar nicht Mr. Pursey zu imitieren. Er ist dann auch der
Leidtragende, das Dave Parsons „Western Culture“ als SHAM 69-Album verkauft.
Ob da ein neuer Bandname und meinetwegen ein „Ex-SHAM 69-Members“ (genau genommen
ist es ja nur eines)-Aufkleber auf dem Cover nicht die ehrlichere Lösung
gewesen wäre? Wie dem auch sei, „Western Culture“ ist eine überdurchschnittlich
gute Punkrock-Platte geworden die diese Bezeichnung in Bezug auf SHAM 69 auch
mal wieder verdient. (01/2008)
RHEINGOLD - Electric City - Düsseldorfer
Schule
3Klang Records (Download-Album)
Die Rückkehr von RHEINGOLD kam
sehr überraschend. Kaum wurde bekannt, daß es die Gruppe wieder gibt
(obwohl sie sich ja eigentlich nie aufgelöst haben und nun in Originalbesetzung
wieder da sind) war auch schon das neue Album in den Startlöchern. So stellt
man sich auch nicht gleich die Frage, warum sie sich mit einem Album zurückmelden,
das bis auf 2 Titel nur Coverversionen enthält, sondern freut sich erst
mal, 23 Jahre nach ihrem letzten Album „Dis-Tanz“ überhaupt mal wieder
etwas von ihnen zu hören. Wie schon gesagt, ist „Electric City“ ein Cover-Album
in dem sie Stücke u. a. von KRAFTWERK, FEHLFARBEN, LA DÜSSELDORF,
PROPAGANDA und anderer Düsseldorfer Bands und Musiker neu interpretieren.
Und auch wenn ein Original immer ein Original bleibt und eine Coverversion halt
nur eine Coverversion, ist es RHEINGOLD gelungen den Songs ihren Stempel aufzudrücken
und dabei gleichzeitig ihren eigenen Sound in die Jetztzeit zu übertragen.
Neben Songs ihrer Düsseldorfer Kollegen ist auch eine Neuaufnahme ihres eigenen
Hits „Dreiklangsdimensionen“ in einer renovierten Version enthalten. Der letzte
Song des Albums und gleichzeitig das einzig neue RHEINGOLD-Stück „Alte
Schule“ ist dann aber überraschenerweise ein Instrumentalstück, das
an ihre Frühzeit erinnert und auch von der Instrumentierung her auf ihr
1980er Debüt gepasst hätte. Leider scheint es das Album nicht als
CD sondern nur als MP3-Download-Album zu geben, zumindest wird es auf der Webseite
ihres Labels derzeit nur als solches angeboten. Schade, denn diese Platte hätte
ich gerne als gepresste CD samt Booklet und unkomprimiertem Klang in meinen
Händen gehalten. (12/2007)
Nachtrag: Das Album ist auch als CD erschienen und ist über
www.3klangrecords.de zu beziehen. Darüber hinaus ist die CD demnächst
auch im Handel erhältlich. Vielen Dank an Bodo Staiger für die Info!
(03/2008)
CATS TV - On Stage...Live in Cuxhaven
Great Sound Productions (CD)
4 Jahre nach ihrer Best-Of CD „2000drei“
legen CATS TV nun ein Livealbum mit Aufnahmen von 1993 nach. Aufgezeichnet wurde
es in ihrer Heimatstadt Cuxhaven, wo sie zum ersten mal seit 9 Jahren wieder
auf der Bühne standen. Man kann während des sphärischen Intros
auch gut hören, daß sich das Publikum auf die Rückkehr ihrer
Lokalmatadore gefreut hat und kann den Trockeneisnebel der auf die Bühne
strömte förmlich vor dem geistigen Auge sehen. Dann endlich legen
sie los. Mit „Killerautomat“ heizen sie dem Publikum gleich mit einem ihrer
größten Klassiker ein. Man hört zwar auf Anhieb, daß Andy
Schwankes Stimme etwas tiefer geworden ist, ist aber nicht weiter tragisch.
Was dann weiter folgt ist ein gelungener Querschnitt aus ihren 3 LPs (wobei
die Songs der 3. LP etwas zu kurz kommen) mit zahlreichen Klassikern wie „Es
tut mir leid“, „Tschüss“, „Schneewitchens Spruch“, „BRD“ und selbstverständlich
„Koxhafen“. Die Liveversionen sind teils anders arrangiert als die Studioversionen
und fallen meist länger aus, insbesondere „Schade Deutschland“, das hier
in einer 13 ½ minütigen Version enthalten ist. Alles in allem ist „Live
in Cuxhaven“ ein sehr gutes und in bester Soundqualität mitgeschnittenes
Album. Zwar nicht der komplette Mitschnitt (vereinzelt hört man die Überblendungen),
aber mit gut 78 Minuten wird die CD-Kapazität bis zum Maximum ausgeschöpft.
Die CD ist über die Homepage von CATS TV
erhältlich. (12/2007)
TEENAGE REBEL RECORDS - DER SAMPLER VOLUME
4
Teenage Rebel Rec. (CD)
Eigentlich bin ich kein Fan von diesen
ganzen, in den letzten Jahren inflationär erschienenen, Label-Compilations.
Beim Düsseldorfer Punkrock Label „Teenage Rebel“ sehe ich das etwas anders,
da es sich hier nicht nur um eine schnöde Aneinanderreihung der aktuellsten
Veröffentlichungen handelt, sondern stets auch Bands aus dem Gesamtkatalog
des Labels enthalten sind. Und da hat sich in den knapp 20 Jahren, die das Label
schon existiert einiges angesammelt. Angefangen von wiederveröffentlichtem
Früh-80er Punk (ARTLESS, HERBÄRDS, OHL, B.TRUG, DER FLUCH), wieder
oder immer noch aktiven „Altpunks“ (RAZZIA, DIE SCHWARZEN SCHAFE, SKEPTIX, ZZZ
HACKER und nochmal die HERBÄRDS), Punkrock der 90er (PUBLIC TOYS, LOKALMATADORE,
EISENPIMMEL, RUHRPOTTKANAKEN, HAMMERHEAD) bis hin zu den aktuelleren Bands (BABELSBERG
PÖBELZ, SUPABOND, BROILERS, BRIGADE S.). Dazu gesellen sich noch Punkrock
aus Finnland (PUNK LUREX OK, KLAMYDIA) und Songwriter aus Großbritannien
(ATILLA THE STOCKBROKER, TV SMITH). Für NDW-Fans sind DIE PROFIS mit
dabei, deren 1982er LP „Neue Sensationen“ demnächst als CD wiederveröffentlicht
wird, und EISENPIMMEL, von denen neben ihrem typischen Asi-Punk („Staat hau
ab“) mit „Große Gurke“ auch ein witziges Neo-NDW-Stück draufgepackt
wurde, das irgendwo zwischen TRIO und Ruhrpott-NDW á la REVIER EXPRESS
angesiedelt ist. Kommt mit 36seitigem Booklet. (12/2007)
FRANK APUNKT SCHNEIDER - Als die Welt noch
unterging
Ventil
(Buch)
In den letzten Jahren wurde ja so einiges
zum Thema "Neue Deutsche Welle" zu Papier gebracht. Jürgen Teipels
Doku-Roman "Verschwende deine Jugend", Christian Grafs "NDW-Lexikon"
oder Didi Zills Bildband. Für den deutschen Punkrock gibt es, gelegentlich
überarbeitet, Martin Büssers "If The Kids Are United". Ist
da nun noch ein weiteres Buch notwendig? Ein klares ja, denn "Als die Welt
noch unterging" kann wirklich als ein nahezu allumfassendes und reichlich
bebildertes Nachschlagewerk betrachtet werden. Im ersten Abschnitt wird vom
No-Future-Punk der Stunde Null über die Synthie-Fraktion, Geniale Dilettanten,
Indie Labels und der Kassettenszene bis hin zu Fanzines und Super 8-Filmen usw.
usf. auf jeden Aspekt und jede Randerscheinung dieses Kulturphänomens eingegangen
(nicht zuletzt auch auf die „Kommerzialisierung“ und den „Ausverkauf“ der NDW).
Auch über die bisherige Aufarbeitung des Themas in Literatur und Internet
geht der Autor Frank Apunkt Schneider ein, und liefert somit auch Tipps zur
Vertiefung einzelner Schwerpunkte.
Der zweite Abschnitt besteht aus einer Bibliographie, einer kommentierten Discographie
in der auch zahlreiche wer-mit-wem-und-wo-sonst-noch Querverweise zu finden
sind, sowie einer „Kassettographie“, die eine Auswahl größtenteils
längst verschollener „Kassettentäter“-Werke listet. Daneben dann noch
der obligatorische Quellennachweis für die im Buch verwendeten Zitate.
Geschrieben wurde das Buch in einem anspruchsvoll-seriösen Stil, was das
den Lesefluß hier und da ins Stocken bringt. Seine Journalistenkollegen,
die zukünftig neben „dem Teipel“, und „dem Graf“ nun auch „den Schneider“
als Recherche- und Zitatmaterial heranziehen werden wann immer etwas zum Thema
Punk/NDW ansteht, werden es ihm aber sicherlich danken, auch wenn sich bei einer
solch umfassenden Ansammlung von Namen, Orten, Daten und Fakten auch mal ein
Fehler einschleicht. So wird MORGENROT-Sänger Enny Gerber zu Enno Gerber.
Willi Wucher, seinerzeit „Mädchen für alles“ bei ARTLESS wird
neben den BECK´S PISTOLS fälschlicherweise auch den LOKALMATADOREn
zugeordnet. Er spielte später eben nicht bei denen, sondern bei den ZAKONAS
(bei LOKALMATARODRE spielten andere BECKS PISTOLS-Mitglieder) und aus der
OHL-LP "Das 7. Zeichen" (übrigens nicht das Comeback-Album, sondern
dessen Nachfolger) wird "Das 7. Kreuz". Nichtsdestotrotz ist „Als
die Welt noch unterging“ ein mit viel Liebe zum Detail gemachtes Buch, das jeden
Cent des Kaufpreises wert ist. (12/2007)
OHL – Im Westen nichts neues
Bad Dog Rec./Coretex (2CD)
„Im Westen nichts neues“ ist die Werkschau
der kontroversen Leverkusener Punkband OHL (Oberste Heeresleitung) und enthält
alle LPs aus den Jahren 1981 – 1986, die ausnahmslos auf dem noch kontroverseren
„Rock-o-Rama“ Label erschienen. Einer Firma die in ihren Frühtagen meist
billigst produzierte Punkplatten auf den Markt warf und dann, als selbiger nicht
nicht mehr genug Profit abwarf (bzw. sich kaum noch eine Band für diese
Firma hergeben wollte) ab Mitte der 80er mit der Produktion übelster Rechtsrock-Platten
neue Geldquellen erschloß. Titel 1 – 14 von der 1. CD entsprechen den
Songs des 1981er Albums „Heimatfront“. Simpel gespielt und teils schlecht abgemischt
(bei dem Stück „A-Bombe“ ist das Schlagzeug kaum zu hören) brüllte
und rotzte sich OHL-Sänger Deutscher W. (das W. steht für Widerstand)
mit haßerfüllter Stimme durch Themen wie Großstadtkälte
(„Leverkusen“), Hippies („Kernkraftritter“), Anti-Amerikanismus („Botschaftslied“),
Geld („Patte“) oder atomarer Aufrüstung („A-Bombe“). Auch mit dem 3. Reich
setzten sie sich auseinander („Kraft durch Freude“) genau so wie über das
Leben in der BRD („Deutschland“). Zu den 12 Eigenkompositionen gesellen sich
noch 2 Coverversionen. Zum einen „Wir sind die Unreparierten“ (im Original „Troops
of Tomorrow“ von den VIBRATORS) und das „Türkenlied“ (im Original „Militürk“
von MITTAGSPAUSE bzw. DAF). Auch wenn, oder vielleicht gerade weil die Aufnahmen
nicht gerade höchsten Hi-Fi-Ansprüchen entsprechen, versprühen
sie doch den gewissen "No Future"-Charme, was dann gleichzeitig auch
dem Geiz ihres Plattenbosses Herbert Egoldt zu verdanken ist.
1987 wurde
die „Heimatfront“-LP übrigens von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
Schriften wegen dem „Botschaftslied“ indiziert, da diese Behörde der Meinung
war, die Gruppe würde in dem Lied zur Gewalt gegen die amerikanische Botschaft
und deren Mitarbeiter aufrufen.
Titel 15 – 18 stammen von dem 1982 erschienenen Sampler „Die Deutschen kommen“
auf dem Punkbands aus dem Raum Köln/Leverkusen zu hören waren. Auf
diesen 4 Songs präsentieren sich OHL schon in einem härterem Sound
als auf der vorangegangenen LP, auch wenn sich die grell klingenden Gitarren
eher nach Rasierapparaten anhören.
Ebenfalls 1982 erschien das 2. Album „1000 Kreuze“ (Titel 19 – 32). Musikalisch
war die Platte schon mal ein Schritt nach vorne, nun orientierten sie sich am
Hardcore-Punk Sound von EXPLOITED, CHAOS UK, GBH und ähnlicher britischer
Punkbands der 2. Generation. Textlich wandten sie sich nun gegen jede Form von
totalitären Systemen, so waren die Texte sowohl Antifaschistisch („Belsen
war ein KZ“, „Dein Kampf“ „Nie wieder“) als auch Antikommunistisch („Warschauer
Pakt“, „DDR“) was ihnen in der Szene bald den Ruf einbrachte, eine Punkband
für CDU/Junge Union-Anhänger zu sein. Zu unrecht, denn die dürften
wenig Freude an „Gott und die Welt“ oder „Kaufhof“ gehabt haben, an früheren
Songs wie „Die Macht des Feuers“ vom oben erwähnten Sampler oder so ziemlich
der ganzen 1. LP schon gar nicht. Mit „Anna Llorente“ enthält das Album
noch ein etwas morbide anmutendes Liebeslied.
Interessant auch der Titel
„Der 1. Schuß“, der mit einem merkwürdig abgewandelten „Smoke On
The Water“-Gitarrenriff beginnt ehe das Hardcore-Gewitter losbricht. Vom Sound
her ihre bis dato besten Aufnahmen, hinken aber dem Standard anderer Punkrock-Plattenfirmen
dieser Zeit wie „AGR“ oder „Weird System“ hinterher. Pikanterweise wurde dieses
Album später nicht indiziert, obwohl der Titel „DDR“ nichts weiter als
eine Neuaufnahme vom „Botschaftslied“ war. Darin enthalten waren ebenfalls die
im Originaltext beanstandeten Zeilen, nur wurde „amerikanisch“ durch „deutsch-demokratisch“
ersetzt. Wurde da bei der Bundesprüfstelle etwa mit zweierlei Maß
gemessen?
Titel 2 – 15 der 2. CD enthalten alle Songs ihres 1983er-Albums „Verbrannte
Erde“ auf dem sie wie gehabt Hardcore-Punk, nun aber zusätzlich mit minimal
gehaltenen Gitarrensoli in zahlreichen Songs, herunterbrettern. In den Texten
geben sie sich hier und da noch antifaschistisch und gegen Krieg, die Anzahl
antikommunistischer Texte überwiegte aber deutlich.
Titel 1 ("Ostblock") stammt von dem Minialbum „Oktoberrevolution“,
das bis auf diesem sonst nirgends veröffentlichten Song noch den "Warschauer
Pakt" vom "1000 Kreuze"-Album sowie 6 Titel der „Verbrannte Erde“-LP
enthielt. Hielten OHL 1981 noch nichts von Deutsch-Amerikanischer Freundschaft,
schlugen sie in dem Stück "Ostblock" USA-freundlichere Töne
an. Auszug: "Krieg der Systeme/eines ist nur wahr/da die Sowjetunion/hier
das freie Amerika/ Amerika! Amerika! Amerika! Amerika!".
Nach einer längeren Pause veröffentlichten OHL 1986 noch das Album
„Jenseits von Gut und Böse“ (Titel 16 – 27), das einen Neuanfang markieren
sollte. Die meist plakativ gehaltenen Polit-Texte wanderten genauso wie der
Hardcore-Sound in der Mottenkiste. Stattdessen überraschten sie mit Synthesizer
unterstütztem rockigem Gitarren-Wave, der sich an Bands wie KILLING JOKE
oder JOY DIVISION orientierte. Punksongs sind zwar auch noch zu hören,
die sind aber meist im Mid-Tempobereich angesiedelt, lediglich bei "Auf
der Flucht vor dir", "Nur ein Spiel" und "So allein"
wird nochmal drauflos gebrettert. Leider suchte sich die Band für
diesen Neuanfang nicht auch eine neue Plattenfirma. "Rock-o-Rama"
war, nachdem es bereits 1984 erste Testballons in Richtung Rechtsrock steigen
ließ, inzwischen endgültig im braunen Morast versumpft, so fand diese
OHL-Platte dann auch kaum noch Beachtung. Schade eigentlich, denn mit "1000
Tage", "3 Asse und 2 Könige", "Feuer" und "An
meinem Grab" hat das Album einige tolle Songs zu bieten. Für OHL war
dies die (vorerst) letzte LP.
1987 löste sich die Band auf. 1993 feierten sie in runderneuerter Besetzung
"Die Auferstehung" (so der Titel iher Comeback-LP), aber das ist wieder
ein anderes Kapitel. (12/2007)